Bedingt durch
private Veränderungen und aufgrund des monatelangem andauernden
Winters brauchten wir nun dringend eine Auszeit. Hinzu kamen unsere
neuen Moppeds, die ausgiebig auf einer längeren Tour getestet werden
mussten, und schwups...nahmen wir kurzerhand 4 Tage Urlaub.
Axel hatte bereits einmal vor Jahren eine Tour durch alle
Rolandstädte Deutschlands geplant, aber irgendwie hatten wir nie
genug Zeit gehabt, diese Tour einmal in die Realität umzusetzen.
Doch jetzt stand der Durchführung nichts mehr im Wege und wir
starteten bei herrlichstem Wetter und warmen Temperaturen um die
20°.
Eine kurze Erklärung zu
den Rolanden:
Der Roland ist ein überlebensgroßes Standbild eines Ritters mit Schwert.
Die Rolandstandbilder befinden sich in vielen norddeutschen Städten, die
meisten im heutigen Sachsen-Anhalt, im Raum der mittleren Elbe
(Rolandstädte). Die Vorgänger der steinernen Riesen waren meist aus Holz. Die Rolandfigur soll
ein Symbol für eigenständige Städte mit Marktrecht, Handels- und
Zollprivilegien sein. Der Name Roland stammt wahrscheinlich von einem
Sagenheld des 8. Jhd., der König Karl dem Großen diente und als Volksheld
verehrt wurde. Die Figur des heldenhaften Roland erlangte durch das
Rolandslied hohe Bekanntheit im Mittelalter.
Wer sich für die Kultur der
Rolande interessiert, kann sich Axel´s Bericht "auf
den Spuren des Roland..." gerne einmal durchlesen. Hier hat Axel
mühsam viele Details und Infos zu vorhandenen oder bereits
vergangenen Rolanden zusammengetragen.
Der erste Roland, den wir uns anschauen wollten,
erwartete uns in Bad Bramstedt. Hier hatte Axel ein paar Jahre
gewohnt und wusste daher, wo er sich befand (was bei den anderen
Rolanden nicht immer der Fall war).
ziemlich kümmerlicher Roland
fast jeder Roland besitz ein erklärenden Schild
Weiter ging es bis nach Wedel,
ebenfalls Rolandstadt. Auch hier fanden wir den Roland sofort.
Wedeler Roland
und eine kurze Erklärung
Der nächste Roland sollte in Bederkesa
stehen. Wo, bitte schön, liegt Bederkesa? Nie davon gehört...aber da ja
Reisen bekanntlich bildet, würde sich nun bald bei mir diese Bildungslücke
schließen.
Wir fuhren bei strahlendem Sonnenschein
bis nach Glückstadt, um hier mit der Fähre nach Wischhafen überzusetzen.
Gerade, als wir die Einflugschneise zur Fähre erreichten, legte dies aber
gerade ab. Tja, da hatten wir Pech...allerdings nun Zeit genug, um über
unsere neuen Maschinen zu fachsimpeln und unsere neuen Eindrücke
auszutauschen.
Von Wischhafen dann fuhren wir weiter
nach Bederkesa und anschließend über die Autobahn weiter nach Bremen. Das
Erreichen der Rolande war nicht immer einfach...mal mussten wir über
knüppeldicken Kopfsteinpflaster fahren, mal uns dezent durch eine
Fußgängerzone mogeln. Manchmal blieb uns aber auch nichts anderes übrig,
als die Moppeds stehen zu lassen und den jeweiligen Roland zu Fuß zu
suchen.
Warten auf die Fähre Glückstadt - Wischhafen
Roland in Bederkesa
Roland in Bremen mitten auf dem Marktplatz
Bremer Roland im Hintergrund
Von Bremen aus machten wir
uns weiter
auf den Weg. Eigentlich wollten wir gerne noch zur JuHe in Hameln
kommen, hatten aber angesichts der vorgerückten Stunde schon einige
Bedenken, ob wir dies schaffen würden. Der nächste Roland, den wir
knipsen wollten, stand in Rinteln. Ein Neuzeit-Roland, zwar aus
Stein, aber keine klassische Figur, sondern eher etwas Abstraktes.
Der Blick zur Uhr verriet uns,
dass für heute hier Schluss sein musste und wir steuerten die nahe
gelegene Jugendherberge hier in Rinteln an. Sah irgendwie "tod" und
verlassen aus, kein Licht, keine Bewegung. Trotzdem schwang sich
Axel vom Mopped und untersuchte die Lage...und siehe da, die Tür
öffnete sich, wir bekamen ein Zimmer und freuten uns, dass bis
hierher alles so reibungslos verlaufen ist.
Nach dem Einchecken machten wir
uns auf den Weg in die Innenstadt, kauften noch ein wenig Proviant
für unterwegs ein und ließen den Abend nach einer leckeren Pizza vom
Dönerladen (!) vor der JuHe bei immer noch 17° ausklingen. Wir waren
wohlig erschöpft und fielen bereits um 22.00 Uhr müde ins Bett.
Roland in
Rinteln
Jugendherberge Rinteln
Tafel an der Rolandstatue
Heute gefahren...
Übersicht unserer heutigen Tour
Freitag, 26. März 2010
Die Wettervorhersage für den
heutigen Tag war eigentlich nicht so prickelnd gewesen, um so mehr
freuten wir uns, dass auch dieser Tag mit Sonne und warmen
Temperaturen begann. Nach dem Frühstück setzten wir uns dann auch
schon um 8.45 Uhr in Bewegung. Wir hatten heute wieder einige
Kilometer vor uns und mussten zudem die Kilometer aufholen,
die wir gestern nicht mehr geschafft hatten, um im Zeitplan zu
bleiben.
Zunächst ging es erst einmal über
100 Kilometern gen Südosten zum Harz. Alles war absolut
perfekt...die Maschinen liefen einwandfrei, die Straßen waren
klasse, die Sonne lachte. Dann erreichten wir den nächsten Roland in
Nordhausen. Auch hier mussten wir die Moppeds vor dem Platz stehen
lassen, da das Befahren mit Kraftfahrzeugen nicht erlaubt war.
Der Roland in Nordhausen war nur
eine Kopie, wie uns ein Schild verriet. Dem Hinweis aber folgend
fanden wir das Original schließlich doch. Zwar war die Tür zum Rathaus
bereits verschlossen, ich konnte aber trotzdem ganz gut ein Bild
davon durch die Scheibe machen.
Fälschung...
... und Original
Ab Nordhausen ging es einige
Kilometer weiter nach Neustadt zum Roland Nr.7. Bei 'Netzkater'
legten wir eine kurze Pause ein, da Axel noch ein paar wichtige
Telefonate führen musste. Aus der geplanten kurzen Pause wurde
jedoch über eine Stunde, da Axel beim 3-maligen Eingeben einer
verkehrten Telefon-Pin nun seine letzte Chance verkackt hatte und
sein Handy gesperrt war. Erst ein Anruf bei unserem Sohn, der
glücklicherweise schon zu Hause war und Axel die dringend benötigte PUK-Nummer zum Freischalten des Telefons übermitteln konnte, brachte
alles wieder ins Lot und wir konnten weiter.
Es ging weiter quer durch den Harz
nach Quedlinburg und nach Halberstadt. In Halberstadt selber wusste
Axel zwar, wo der Roland stand, ein großer Polizeieinsatz mit
abgesperrten Straßen und Hubschraubereinsätzen erschwerte uns jedoch
die Suche gewaltig, da genau die Straße, die wir fahren sollten,
halt gesperrt war. Solche Manöver nehmen natürlich immer viel Zeit
in Anspruch und wir hatten hier bereits Zweifel, ob wir unsere
heutige geplante Etappe schaffen würden.
Roland in Neustadt
Pause mitten im Harz bei "Netzkater"
Roland in Quedlinburg
Roland in Halberstadt
Nun musste es hurtig weitergehen.
Also auf nach Magdeburg zum nächsten Roland, und weiter nach
Haldensleben. Ab Magdeburg ändert sich dann das Wetter ein wenig. Es
wurde kühler und die Sonne verzog sich. In Haldensleben kauften wir
noch ein wenig Proviant ein und überlegten, wie weit wir noch fahren
wollten. Es gab eine JuHe hier in Haldensleben und der Himmel sah
nicht wirklich vielversprechend aus. Zwei Blicke...ein Gedanke und
wir entschlossen uns, die nächstgelegene JuHe hier im Ort
aufzusuchen.
Nachdem wir jedoch die
vermeintliche Adresse erreicht hatten und außer einer großen
Baustelle nichts weiter fanden (die JuHe befand sich im Umbau),
wurde uns unsere Entscheidung abgenommen. Wir mussten also weiter
und uns privat irgendwo etwas suchen, da die nächste zu erreichende
Jugendherberge viel zu weit weg war. Also ging es erst einmal weiter
zum nächsten Roland in Stendal...noch einmal schlappe 70 Km, und die
Uhr zeigte bereits nach 18.00 Uhr.
Stendal war die Hölle.
Einbahnstraßen und Baustellen wechselten sich ab. Wir konnten den
Roland schon fast sehen, erreichten ihn aber auch nach der dritten
Stadtumrundung nicht. Fragten wir Einwohner, hieß es immer nur: "Ja,
hier gleich um die Ecke...". Ich hatte die Schnauze voll, stellte
mein Motorrad ab und machte mich zu Fuß auf den Weg zum Roland.
Mittlerweile war es schon dunkel, es hatte angefangen zu regnen und
zu donnern und es wurde stürmisch. Endlich fand ich das Objekt der
Begierde, machte ein paar Fotos, die aber viel zu dunkel waren und
eilte zurück zu den Moppeds. Axel wartete dort und hatte sich
zwischenzeitlich bei Passanten nach Übernachtungsmöglichkeiten
erkundigt. Die erste Pension, die wir erreichten, war ausgebucht,
die zweite geschlossen. Es war bereits 20.30 Uhr, als uns ein
freundliches Paar noch auf eine Pension ein paar Hundert Meter
weiter aufmerksam machte, und hier hatten wir Glück. Wir bekamen ein
Doppelzimmer und machten es uns gemütlich. Auch an diesem Abend
wurden wir nicht alt und löschten bereits um 22.00 Uhr wohlig
erschöpft das Licht.
Roland Magdeburg
Hinweistafel
Roland Haldensleben
Roland Stendal (am nächsten Tag)
heute gefahren...
Übersichtskarte Rolandtour 2. Tag
Samstag, 27. März 2010
Am nächsten Morgen war Schluss mit
Sonne und schönem Wetter. Die Temperatur pendelte sich im
einstelligen Bereich ein und wir entschlossen uns, doch lieber die
langen Unterhosen unterzuziehen. Nachdem wir noch einmal kurz den
Roland in Stendal bei Tageslicht besichtigt und fotografiert hatten,
ging es weiter zum nächsten Roland in Buch. Buch war ein kleines
Dorf, aber trotzdem sollte sich hier irgendwo ein Roland befinden.
Nachdem wir die Hauptstraße bestehend aus Kopfsteinpflaster wieder
zum Ortseingang zurück fuhren, entdeckte Axel ein Hinweisschild und
einen riesigen Holzkasten. Das musste der Roland sein...aber er
verbarg sich wie gesagt in einem riesigen Holzverschlag. Schade, und
es gab keine Möglichkeit irgendein Foto davon zu machen.
Roland hinterm Holzverschlag
Hochwasser - keine Chance über die Elbe zu setzen...
Von hier aus sollte es dann weiter
nach Burg gehen, da uns hier der nächste Roland erwartete.
Allerdings hatten wir Hochwasser und "Nicht-fahrende-Elbfähren"
nicht eingeplant. Trotz Hinweise, dass der Fährbetrieb eingestellt
sei, fuhren wir bis zum Fähranleger und landeten tatsächlich im
Hochwasser. Ach menno, hier konnten wir die Elbe tatsächlich nicht
überqueren. Im nahegelegenen Dorf fragten wir nach der nächsten
Möglichkeit, um über die Elbe zu kommen. Richtig unbefriedigend war
dann die Aussage, dass wir wieder bis fast nach Stendal zurückfahren
mussten, da sich hier die nächst gelegene Brücke über die Elbe
befand.
Nun gut, ließ sich nicht ändern
und wir mussten bis kurz vor Stendal dieselbe Strecke zurückfahren.
Hier überquerten wir dann die Elbe und fuhren weiter auf der anderen
Seite der Elbe bis Burg, unserem nächsten Roland.
Roland in Burg
Größenvergleich...
Von Burg ging es weiter nach
Plötzky und Zerbst. Und von hier aus hätte die Tour weiter bis nach
Calbe geführt. Doch auch hinter Zerbst gab es Hinweisschilder, dass
die Elbfähren allesamt wegen Hochwassers gesperrt waren. Unser Blick
auf die Karte suchte nach einer schnellen Möglichkeit die Elbe
woanders zu überqueren. Nach langem Suchen und Abgleichen bot sich
uns nur eine Möglichkeit: wieder zurück nach Magdeburg und dort über
die Elbe rüber. Ich war begeistert....
Roland in Plötzky
Roland in Zerbst (Zufahrt wegen Baustelle gesperrt)
Nachdem wir den mörderlangen Umweg
über Magdeburg gewuppt hatten, erreicht wir dann irgendwann Calbe.
Ein schönes idyllisches Dorf , und trotzdem irgendwie enttäuschend,
da zwar der Roland dort als Statue zu finden war, aber sonst nichts
anderes, was auf seine Anwesenheit hindeutete. Nicht einmal die
nahegelegene Kneipe oder Apotheke hieß wenigsten "Zum Roland" oder
so. Es gab einfach nur langweilige Namen wie "Gasthof zum braunen
Hirsch" oder so...
Roland in Calbe
Roland in Halle
Egal, sollte nicht unser Problem
sein. Der nächste Roland wartete in Halle auf uns. Ebenso wie in
Stendal war dieser sehr schwer zu erreichen. Entweder lagen
Einbahnstraßen oder Fußgängerzonen vor uns....und so blieb uns auch
hier nichts anderes übrig, als die Moppeds stehen zu lassen und zu
Fuß den Roland zu besuchen und zu knipsen.
Danach mussten wir uns
entscheiden...weiterfahren oder in Halle eine Bleibe suchen. Wir
entschieden uns für´s Weiterfahren, da es "doch" erst kurz vor 17.00
Uhr war und wir noch einige Kilometer gutmachen konnten.
Der nächste Roland lauerte in
Belgern auf uns. Auf der Karte sah es gar nicht so weit entfernt von
Halle aus...die Realität zeigte uns aber anderes auf. Wir erreichten
erst kurz nach 18.00 Uhr Belgern. Die Temperaturen waren
mittlerweile noch einmal gefallen und es fröstelte uns. Ein
umhergehender Blick...eine schnelle Entscheidung und das gegenüber
gelegene Hotel auf dem Marktplatz war unser. Wir konnten unsere
Moppeds sogar in einer Garage abstellen und ließen diesen tollen Tag
bei einem leckeren Essen, einem Bierchen und schönen Gedanken an das
Erlebte ausklingen.
Roland in Belgern
Blick vom Hotel auf den Marktplatz von Belgern
heute gefahren...
Übersichtskarte unserer heutigen Tour
Sonntag 28. März 2010
Wieder starteten wir sehr
früh...doch diesmal bereits im Regen. Es ging über ziemlich kleine
Straßen gen Norden Richtung Brandenburg. Die Straßen waren teilweise
unter aller Sau, die Kälte kroch durch alle Ritzen. Trotzdem packte
uns der Ehrgeiz, die geplante restlichen Rolande anzufahren.
Allerdings holte uns dann auch irgendwann die Realität ein, als wir
Brandenburg erreichten und die Uhr bereits 11.30 Uhr zeigte.
Nach einem kurzen Stopp und ein
paar Bildern des Roland entschieden wir uns für den einigermaßen
geraden Weg nach Hause. Dass uns dieser durch Perleberg führte und
damit zu einem unser nächsten Rolande war mehr oder weniger geplanter Zufall
;-), aber
auch sehr schön.
Danach ging es dann endgültig
weiter gen Heimat. Wir erwischten zwar den einen oder anderen
Schauer, kamen aber glücklich und zufrieden nach über 1.700 KM zu
Hause an.
Roland Perleberg
heute gefahren...
heutige Tour (gelb), geplante Tour (violett)
Gesamtstrecke
Fazit:
Eine absolut klasse Strecke, die gleichermaßen Fahrspaß und Kultur
miteinander verbindet. Schade, dass es uns nicht gelungen ist, alle
Rolande zu besuchen. Wer die Tour nachfahren möchte, sollte auf
jeden Fall erst ab April/Mai unterwegs sein, da Umleitungen durch "Nicht-fahrende-Fähren"
doch jede Menge Zeit verschlucken.
Tolle Tour, mit kulturellen
Highlight...jederzeit gerne wieder !
Bine
Nachtrag vom Mai 2010:
Während unserer Fahrt erkannten wir auf einem Plakat beim Roland in
Plötzky, dass es noch 2 weitere Rolande gab, und zwar in Gardelegen
und in Oebisfelde. Auf unser diesjährigen Himmelfahrttour führte uns
glücklicherweise die geplante Route schnurstracks durch Gardelegen,
wo wir nun zumindest einen der noch fehlenden Rolande fotografieren
konnten und nun hier in diesen Bericht einfügen können.
Auf unserer Reise
durch Russland und das Baltikum führte uns die Tour natürlich auch
nach Riga. Ehrensache, dass wir eine Stadtrundfahrt in Kauf nahmen,
um den Roland zu finden, zu fotografieren und in diesen Bericht
einzufügen. :-)
Eine kleine Diashow
von der Rundreise findet ihr hier....
Bei der Diashow
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